Die jungen Mädchen waren zunächst ganz bestürzt; hatte Eva sie vorhin gehört? Das wäre ihnen doch unangenehm gewesen. Erst allmählich ging ihnen das Verständnis auf, und nun rief Marie erleichtert aus: „Aber das wußten wir ja längst, wir ließen es uns nur nicht merken!"
„Und ihr seid dennnoch so gut und rücksichtsvoll gegen mich gewesen, als ich krank war,“ fuhr Eva fort; „gewiß, das vergebse ich euch nicht! Ich betrug mich immer unbeliebenswürdig und ungezogen gegen euch, verzehrt es mir, es tut mir leid; wenn ich kann, will ich’s nicht wieder sein. Aber es wird mir schwer fallen, ihr müßt Geduld mit mir haben.”
Sie sagte das so demütig und weich, daß es den jungen Mädchen die Seele bewegte. Aller Groll war vergessen, sie umgaben Eva, küßten und liebkosten sie, jetzt wurde sie ihnen erst lieb.
„Du bist wirklich ein netter Kerl,” lachte Käthe, „wer dich von heute an nicht leiden kann, der bekommt es mit mir zu tun.”
„Wir haben es kaum bemerkt, wenn du so grimmig warst,” tröstete Olga.
„Na, merken mußten wir’s schon,” sagte Lotte, „aber du selbst hatteß es am schlimmsten dabei, und wir machten uns nichts daraus. Aber es soll mich freuen, wenn wir uns in Zukunft besser vertragen können.”
Diese kühlere Aussage mößte die aussteigende Rührung etwas; eben rief auch Fräulein Sanna nach Eva, die sie in ihrem Zimmer verminß hatte, und nach einem herzlichen „guten Nacht” trennte sich die junge Gesellschaft. Eva war so frisch und leicht zumute, daß es ihr schien, als ob alle die guten Vorßage, mit denen sie ihr Lager aussuchte, gar nicht schwer auszuführen sein würden, als ob sie an einem Wendepunkte angelangt wäre, an dem sich eine ganz andere und viel liebenswürdigerge Eva einstellen würde; aber Sanna, der sie alle ihre Vorßage und Hoffnungen mitteilte, sagte zu ihr: „Vertraue nicht zu sehr auf deine gegenwärtige glückliche Stimmung, liebe Eva; es wird