Full text: Evas Lehrjahre

noch manchen Kämpf kosten, bis du ans Ziel gelangst. Aber wenn du den ehrlichen Willen hast, so wird dir der liebe Gott auch seinen Beistand nicht versagen." Neuntes Kapitel. Auf neuer Bahn. Die nächsten Tage waren sehr frohe für Eva, die sich kaum je so wohl gefühlt hatte; durch die Heiterkeit ihrer Seele wurde auch ihre Genesung und Kräftigung derart gefördert, daß sie sich bald für völlig gesund hielt. Wie schön war auch der Sommer im Walde, wo man ihn so recht genießen konnte. Es gab täglich ein neues Fest. Heute wurde auf der großen Wiese Heu gemählt. Am anderen Abend zog alt und jung hinaus, um es zu wenden und in kleine Häufen zum Trocknen auszudecken; nach einigen Tagen wurden diese wieder umgesetzt, da gab es neue fröhliche Arbeit. Eva hatte eine große Harfe und war sehr fleißig; aber wie bald mußte sie ermattet das Lager aussuchen, das ihr Heinze in dem dusenden Heu bereitete. Sie war doch immer noch recht schwach, und doch wollte sie jetzt gern ganz gesund sein und es den andern gleich tun. Die ganze Brockenreise, auf die sie sich so freute, mußte nun bald zur Ausführung kommen; denn sie war ja für die Zeit festgesetzt, die Heinze im Försteraufe verbrachte, dessen Ferien waren ja aber schon über die Hälfte verflossen. Wie oft hatte der Oberförster mit den jungen Mädchen ihre Reisepläne besprochen; drei Tage sollte die größenteils zu Fuß zu machende Partie dauern; sogar die Frau Oberförster hatte versichert, sie sei ganz damit einverstanden, sie werde mit ihren Füßen beim Marschieren schon Ehre einlegen. Das Programm war aufs genaueste festgesetzt, und nun wurde über die ganze Angelegenheit geschwiegen. Solange Eva selbst die Ummöglichkeit fühlte, die Reise mitzumachen, hatte sie sich über dies Schweigen