„Ich hätte die Sauce noch etwas dicker gemacht,” flüsterte Lotte, „und ganz tadellos ist das Spießen auch nicht."
„Alter Splitterrichter!” gab ihr Olga entrüstet zur Antwort, „alles war vortrefflich und ich wünschte nur, ich hätte zwei Magen, um noch mehr essen zu können."
„Eva, Herzenskind, daß du deinem Bruder solche Ehre machst, vergesse ich dir nie,” sagte Heinz und tat, als müßte er sich Tränen der Rührung mit der Serviette abtrocknen. „Weißt du was? Zur Belohnung für dich heirate ich niemals, sondern nehme dich als Haushälterin und Köchin zu mir."
„Dafür bedanke dich nur, Eva,” rief der Oberförster, „ein Mädchen, das solche Braten machen kann, bekommt zehn Männer statt einen."
„Das ist ja wie in der Türkei, nur umgekehrt!” lachte Heinz. „Ach, was würde unser Vater dazu sagen, wenn wir ihm einen solchen Beweis von Evas Kochkunst hin{schie..}en könnten. Vergeblicher Wunsch! Ich möchte wahrhaftig den Knochen, der als einziger Zeuge von Evas größer Tatkraft zurückbleiben ist, unter Glas bringen lassen und ihn über Papa’s Schreibtisch aufhängen. Dann hätte er doch auch etwas davon."
Als Eva im Bett lag, zusammengesetzt und glücklich wie noch nie in ihrem Leben, trat Sanna zu ihr hin, setzte sich zu ihr und ergriff ihre Hand; schweigend las jede in dem Herzen der andern. „Wie gut hast du diese Tage angewendet, mein Liebling,” sagte Sanna endlich, „ich hänge mich so um dich."
„Erst war es mir auch schrecklich,” gestand Eva, „aber so bald ich diesen Plan geäst hatten, blieb mir gar nicht mehr Zeit zu träben Gedanken, denn dessen Ausführung machte mir große Vergnügen, trotz aller Angst, die ich dabei aushandelte. Sonst stand ich alle diese Dinge höchst widerwärtig, aber wenn man etwas für liebe Menschen vollbringt, dann ist es ganz anders."
Sanna nickte zustimmend. „Das Leben und Wirken der Frau sieht größtenteils im Dienste des Hauses,” sagte sie, „die Liebe heiligt ihr Schaffen. Wo diese nicht ausreicht, da treibt ihre ernstere Schwester, die Pflicht, heran. Wer deren Gebot Galt, Eva’s Lebensjahre. 10