Full text: Evas Lehrjahre

gehört, dem wird auch das Schwere leicht und das Geringe wichtig.” „Ich will von jetzt ab auch dieser Pflicht folgen, Fräulein Sanna,” sagte Eva ernst; „falls ich darin einmal ermüde, so suche ich bei Ihnen Kraft und neuen Mut.” „Suche beides bei einem Höheren, meine Eva,” sagte Sanna; „wer dort oben anklopft, dem wird stets aufgetan.” Als sich Sanna endlich erhob, um ihr eignes Zimmer aufzusuchen, sah sie sich bei Eva vergeblich nach der Nachtlampe um, denn sie wollte dieselbe anzünden. „Wir wollen das lassen, Fräulein Sanna,” erklärte Eva; „ich bin schon gestern im Dunkeln eingeschlafen, und es ist mir trotzdem nichts widerfahren. Fortan werde ich mich nicht mehr fürchten, ich habe nunmehr an so viel andres zu denken.” ___________________________ Elftes Kapitel. Der Nordhäuser Martinsntag. Den andern Tag gab es so viel zu erzählen, das Mund und Ohren im Forsthause unausgesetzt in Anspruch genommen waren; Eva wollte in alle Einzelheiten der Brockenpartie eingeweiht werden, ein jedes wollte auch nach seiner Art berichten und sich nicht mit der Erzählung der andern begnügen. Käthe war besonders vergnügt, war ihr doch auch eine freudige Überraschung zuteil geworden; die ganze älterliche Familie, die in einem Pfarrdorfe auf der nördlichen Seite des Harzes wohnte, hatte sich mit allen Kindern aufgemacht und am Fuße des Brockens hatte dann die Zusammentunft mit Käthe und den übrigen stattgefunden. „Es krübelte ordentlich von kleinen Beinen,” erzählte Käthe mit Stolz, „wir sind ja eine solch große Familie, sogar das kleine Elsa, das kaum laufen kann, hatten sie mitgebracht. Elsa konnte mich doch noch, obwohl ich seit langem nicht