Full text: Evas Lehrjahre

Die abgebildete Seite enthält den Text: ``` geschen habe, denn ich soll während meiner Lehrzeit nicht nach Hause. Ach, sie ist reisend! Nicht wahr, Lieschen, es gibt nichts Schöneres, als solch Wiedersehen mit Eltern und Geschwistern? Du haft dich ja mit uns getrennt, und die Kinder hingen bald wie die Ketten an dir.“ Lieschen nickte zustimmend, ohne etwas zu sagen, und Käthe bemerkte den Schatten nicht, der über deren sanfte Züge lag. Käthe war noch so erfüllt von dem Wiedersehen und dachte so viel an die Zeit, wenn sie erst wieder mitten unter den Ihren sein würde, daß sie ben ganzen Tag davon sprechen mußte; da sand sie keine gebührende Huldöerin als Lieschen. Eva mußte auch erzählen, wie sie alles angestellt hatte, und sand die regste Teilnahme. Gleich am Morgen erklärte sie der Frau Oberförster, daß sie nun auch in Reiß und Gied dienen wollte, und zwar gleich vor Beginn der neuen Woche ab. Die Besorgnis, daß sie dazu doch zu zart sei, vermacht sie; wirklich sprach auch ihr leichter Schritt, die geröteten Wangen und die glänzenden Augen von Gesundheit und Jugendscharfe. Es schmeckte Eva vorzüglich, auch schlief sie ein, sobald sie ihr Lager aufge- sucht hatte. „Ich scheide mit ruhigem Herzen,“ sagte Heinz, dessen Ferien zu Ende gingen, „die Raupe Eva entwickelt sich zu einem liebenzü- dürigen Schmetterling. Mit dem Kalbsbraten hat’s angesangen, und je weiter du in die Scheinhalten de Wirtschaftsführung eindringst, um so mehr gewinnst du an Leib und Seele.“ „Das mag wohl sein,“ gab Eva lachend zu, „aber angesang hat’s mit dem guten Rat, den mir mein verständnisvoller Bruder gab.“ „Und mein neuer König Schwestern bessert hat,“ fügte Heinz hinzu. „Also können wir jetzt wieder heute sein, und auch ich will mich bemühen, daß ich dir keine Schande mache. Ich soll wunderm, wer von uns den Tugendpreis erhalten wird, wenn ich Weihnachten wiederkomme.“ „Das ist noch mal lange hin!“ sagte Eva lüstend, „ich fürchte mich so vor dem einsamen, öden Winter hier. Wenn du doch bei mir bleiben könntest!“ ``` Es enthält keine Spuren dafür, dass bestimmte Fraktur-Zeichen nicht bekannt sind. Die historische deutsche Rechtschreibung wird beibehalten, einschließlich Sonderzeichen und diakritischer Zeichen. Die Zeilenumbrüche und Absätze entsprechen denen im Original. Leere Zeilen werden nicht angegeben, wenn kein Text bekannt ist.