Full text: Evas Lehrjahre

so wollte ich schon andere Seiten bei dir ausziehen. Du bist wirklich zum Anheizen. Deinst du noch, früher war der höchste poetische Vergleich, zu dem ich mich bei dir ausschwingen konnte, der mit einer Zitrone. „Du bist immer ein Böswicht gewesen, ich sehe in dir noch einen Nagel zu meinem Sarge,” sagte Eva schmollend; sogleich aber hing sie sich an den Arm des Bruders und sah nun strahlend aus. Jetzt begrüsste Heinz den Herrn und die Frau Obersförster, Fräulein Sanna und die übrigen Hausgenossen, dann verzehrte er mit prachtvollem Appetit das für ihn aufgetragene Frühstück. Es war gar nicht, als wenn er fortgewesen wäre, es bedurfte auch nicht erst seiner Versicherung, daß er sich hier ganz wie zu Hause fühle und gar nicht begreiße, wie sie ohne ihn fertig werden könnten. „Was gibt es nun für mich zu tun?” fragte er. „Eva hat mir geschrieben, daß sie vor lauter Arbeit nicht zum Briefschreiben komme, und mir deshalb nur einen solchen von acht Seiten schreiben könne. Na, die beiden ersten habe ich gelesen, das andere kommt an die Reihe, wenn ich Zeit habe. Oben stehen die Rästen und Schachteln, besorgt habe ich alles aus beste, was sie mir ausgetragen hat. Was Gutes dabei war, das habe ich unterwegs in der Hungersnot verzehrt. Nützt Eiseßen. Jetzt bin ich für kurze Zeit gekränkt und bis zum Mittagessen stehe ich zur Verfügung. Soll ich Fische fangen oder Rehe schießen? Soll ich Knödel probieren oder Christbaume anzupüren? Soll ich Nüsse vergolden oder Mädchens beaufsichtigen?" „Schweigen sollst du vor allen Dingen,” rief Eva, als Heinz endlich eine Pause machte. „Und dann sei hübsch sitzam und still, wir brauchen deine männliche Hilfe.” „Die stets zu Diensten st,” sagte Heinz geschmeichelt. „Eins vergeßt nur nicht, ich bin Schauspielsdirektor in spe, und ihr seid meine Truppe; im großen Gartenjahr wird Komödie gespielt, und die Herrschafiten sind eingeladen, unser Talent durch freundliches Beisallflatschen aufzumuntern.”