Ihre Gedanken wehten bei dem Vater, der einsam im fremden Lande in wehmütigem Sehnen an seine Kinder denken würde. Ach, wenn sie doch erst wieder vereint wären! Wie wollte sie alles aufbieten, ihm das Leben fröhlich und freudenreich zu gestalten!
Heinz verstand der Schwester stummes Sinnen; er legte den Arm um sie und zog sie an sich. „Wie schön wird die Zukunft werden,” sagte er innig; „unsren Armen Vater muss sie berein für so viele traurige Jahre entschädigen.”
„Hu—hu—hu—hu—hu—ju—ju—” so heulte und brüllte es da plötzlich, und dazu polterte und lärmete es, als stande der wilde Jäger selbst vor der Tür; ein menschlicher Rehkopf konnte kaum solch grausliche Töne hervorbringen; jetzt tat sich die Pforte auf: „Achtung, Ihre weg!” schrie es mit Donnerstimme und herein wälzte sich ein ungeheures Ding, dem jeder gern und eilig Platz machte; mitten im Saale blieb es liegen.
„Das ist ja mein leeres Gurkenäß!” rief die Frau Obersäfer, die sich zuerst fasste und einen alten Bekannten in dem Unhold entdeckte.
Nun wurde es näher besichtigt; da stand oben mit großen Buchstaben: „À Mademoiselle Gervaise, la plus aimable de toutes les Françaises. Pour les heures de loisir.”
„Ein Fässchen Bordeaux,” rief der Obersäfer, „Mademoiselle, das läßt tief bleiben. Der Weihnachtsmann hat Ihre Lieblingsneigungen erraten.”
„Mais monsieur, je n’en comprends rien,” wehrte die alte Französin verschämt ab.
Schmidt, der für kurze Zeit verschwunden war, denn auch die Dienstboten hatten im Forsthause ihren Anteil an der Bescherung, reichte grinend Hammer und Meißel hin: „Parlez vous, mademoiselle?” fragte er, sein einziges Französisch, das er für alle Fälle bereit hatte, auch jetzt in Anwendung bringend.
„Çe n’est pas à moi, monsieur,” beteuerte die alte Dame, und Schmidt übersetzte ganz richtig: „Ich soll es für sie aushalten“. In kurzer Zeit hatte er dem Fass den Boden aus-