für deren Gesundheit, daher zeigte er ihr unbegrenzte Nachsicht; denn wenn man Eva's Willen entgegentrat, so hatte das bei ihrer Erregtheit die schlimmsten Folgen für ihr Befinden, und doch konnte es kaum so fortgehen. Bei jeder neuen Dame, der er die Leitung des Hauses und die Erziehung Eva's anvertraute, hoffte der Baumeister wiederum, es werde derselben gelingen, einen wohltätigen Einfluss auf Eva zu gewinnen; doch immer war es vergeblich.
Erstier noch als sonst trat er in das Speiszimmer und begrüßte seine Kinder, die er für heute zum erstenmal sah, denn er pflegte die Morgenstunden in ungestörter Arbeit in seinem Gemache zuzubringen.
"Du siehst nicht gut aus, mein liebes Kind," sagte er zärtlich zu Eva; "fehlt dir etwas?"
"Ich habe Kopfschmerzen und habe sehr schlecht geschlafen," flüsterte sie.
"Was kann es nur sein? Wollen wir nicht zum Doktor schicken?" fragte er besorgt.
"Ich mag den Doktor Wellen nicht, er versteht meine Leiden nicht," murte Eva; "er hat immer etwas so Spöttisches, als glaube er gar nicht recht daran; alles, was ich gern habe, verleugnet er mir, und was er mir verordnet, das mag ich nicht und tue ich nicht."
"Allerdings traurige Zustände," sagte der Baumeister mit trüben Lächeln, "und doch ist Doktor Wellen ein sehr tüchtiger Arzt, der sich von Kindheit an kennt und es sehr gut mit mir meint."
"Unsere liebe Eva wächst zu sehr, daher rühren ihre Beschwerden; sie ist wirklich sehr groß für vierzehn und ein halbes Jahr," meinte die Frau Hauptmann.
"Bitte recht sehr, ich bin fünfzehn Jahre, weniger drei Monate," rief Eva mit beleidigter Miene aus.
"Bald eine Greisin," sagte Heinz bei.
"Du hast keine Suppe gegessen, und Braten und Gemüse kaum angerührt," sagte der Vater besorgt.