Full text: Evas Lehrjahre

```plaintext aber wirbst bei der Gräfin die große Dame spielen. Schade, daß ich dich nicht sehen kann, wenn du stolz in den Wagenpolstern liegst oder wenn du im Salon die neuesten Romane liesst." "Aber Lotte, wie kannst du nur so sein!" rief Lieschen fast weinend aus. „Mir ist wahrscheinlich lange, genug zu Mühe und Fräulein Sanna meint auch, es werde kein leichter Posten sein. Hunertmal liebe, ging ich zur Frau Pfarrer Bach. Du wolltest aber doch zu ihr.“ „Pah, als nichts andres zu haben war, ja!“ sagte Lotte verächtlich. „Für mich hätte diese Stellung ganz gewiss besser gepaßt.“ „Ach, wenn wir doch tauschen könnten!“ seufzte Lieschen. „Wolltest du das wirklich? Wie nett, liebes, gutes Lieschen! Was sollte uns daran hindern?“ rief Lotte plötzlich ganz ungewohnt aus. „Meinst du, daß es gehen würde?“ fragte Lieschen zweifelnd. „Natürlich, die Frau Pfarrer bist du am Ende lieber als ich,“ fuhr Lotte überzeugungsvoll fort, „und die Frau Oberförster wird auch nichts dagegen haben; nur mußt du ihr sagen, daß es dein, nicht mein Wunsch ist. Weißt du, Fräulein Sanna war nie meine große Freundin, ich möchte nicht, daß sie alles erfährt, sonst tut sie, als schnappe ich ihr etwas fort. Komm, wir wollen die Sache gleich ins reine bringen.“ Sie ließ Lieschen weiter keine Zeit zum Befinnen; auch bei der Frau Oberförster stimmte Lotte das Wort und stellte die Sache so dar, als wenn sich Lieschen fürchte und sie ihr nun gefällig sein wolle. Die Dame war sehr überrascht und tat einige scharfe Fragen; aber Lotte wußte ihnen zu begegnen, und so hielt es nicht allzu schwer, die Einwilligung der Frau Oberförster zu erhalten, vorausgesetzt, daß die Frau Pfarrer nichts dagegen habe; der Gräfin konnte es am Ende gleich sein, da sie keine der beiden Mädchen kannte. Lotte, die sonst nicht für weite Wege war, ging noch am selben Tage ins Pfarrhaus und holte sich die Zustimmung der alten Dame. Die jungen Mädchen dachten sich ihr Teil und hielten auch ```