„Es fehlt mir an Appetit," erwiderte Eva, indem sie sich
dem Zitronenauslauf zuwandte, der eben auf der Tafel erschien,
und womit sie sich reichlich versorgte.
„Das Errschen des Löwens," neckte Heinz, während er mit
spöttischen Blicken Evas Teller betrachtete.
„Heute wird die Jungfrau von Orleans gegeben," begann
die Frau Hauptmann, die gar zu gern ins Theater ging und
sich vorgenommen hatte, dies hier recht zu genießen. „Das wäre
ein Stück für unsere liebe Eva.“
„Ich ja, ich habe es mir schon immer gewünscht," rief
diese lebhaft aus. „Wir werden doch noch Eintrittskarten be-
kommen?“
„Im Invalidendank gibt es gewiß noch gute Plätze,"
meinte Heinz.
„Schicken Sie doch gleich hin, Frau Hauptmann," sagte
Eva, „ich habe große Lust.“
„Wir wollen es doch lieber lassen, mein Kind," mischte sich
der Vater in die Verhandlung. „Du fährst nicht gut aus, und
das Ausleben in später Stunde schadet dir. Auch warst du
erst vorgestern in der Oper.“
„Ja, und sie hat die ganze Nacht von der Wolfschlucht
geträumt, der Freischütz hat es ihr angetan," warf Heinz hin.
„Ich kann träumen, was ich will, dich gehen meine Träume
gar nichts an!" rief Eva heftig.
Der Vater legte beschwichtigend die Hand auf ihre Schulter
und sagte: „Heinz meint es gut mit dir, auch hat er recht, denn
diese befängnigenden Träume sind ein Zeichen, daß du dich zu
sehr aufregst. Du kannst später die Jungfrau von Orleans
sehen, wenn du älter und ruhiger bist."
„Darauf will ich aber nicht warten, ich will jetzt hin," rief
Eva aus.
„Und ich sage dir, es geschieht auf keinen Fall,“ sprach der
Vater mit gerunzelter Stirn.
Eva schaute ihn betroffen an, in dem Tone hatte er noch
nie mit ihr gesprochen; sie fühlte sich einen Augenblick ein-