glänzten, die Hände waren verlangend ausgestreckt, und ein Lächeln lag um den bleichen Mund.
"Gott sei Dank, da seid ihr!" hauchte sie. "Ich wüsste, daß ihr kommt, ich habe auf euch gewartet."
"Olga, mein liebes Kind," rief der Vater überwältigt aus und sank neben ihrem Lager nieder; die Brüder suchten die Hände der Schwester zu ergreifen.
"Ach, ich bin glücklich," sagte Olga mit einem Lächeln, "nun ist der Tod nicht schwer. Ich gehe zur Mutter. Auf Wiedersehen!"
Die Lippen bewegten sich noch, aber sie brachten keinen Laut mehr hervor; Olgas Kopf, der an Sannas Brust geruht, sank herab, und diese empfand jetzt die Schwere des unbefallenen Körpers. Sanft legte sie Olga zurück und reichte stillweinend dem Vater die Hand. Der Geistliche trat hinzu und sprach ein Gebet. Als er mit dem Baterunser schloß, sprachen sie ihm alle die Worte nach. Ein tierischer Friede wehte um das Sterbebett und sankte in die Herzen derer, die so tief unter dem Scheiden litten.
Alle, bis auf Herrn von Bellin mit seinen Söhnen, verließen nun das Zimmer; der große Schmerz der nächsten Angehörigen sollte sich ohne Zeugen zur Fassung durchringen. Eva lag weinend in Sannas Arm, die sie zärtlich an sich preßte; die andern waren nicht minder erschüttert. Nach langer Zeit trat Olgas Vater zu ihnen; noch vermochte er kaum zu sprechen; aber er drückte allen stillm die Hand, wüsste er doch, wie treu sie es mit der Verklärten gemeint und wie diese sie geliebt. Die beiden jungen Offiziere weinten heftig, dem Schmerz des Vaters fehlte die erleichternde Träne.
Als sich am nächsten Morgen nach einigen Stunden der Ruhe, die der erschöpfte Körper gebietischer verlangte, die Hausbewohner zusammenfanden, da war es ihnen, als hätte die Majestät des Todes alle ihre Gebanken und Befehlungen geheilt und verklärt, als müßten die Lebenden sich nun untereinander alle die Fürsorge und Liebe erweisen, die man so gern dem