geschützter, doch dann erwachte der Eigensinn in ihr. „Warum soll ich denn nicht ins Theater?“ fuhr sie halb bittend, halb trozig fort. „Mir schadet es nichts, ich bin so gern des Abends unter Menschen, hier ist es so langweilig; du weißt gar nicht, wie sehr, Papa, weil du nicht bei uns bist; Heinz sitzt über seinen Büchern, Frau Hauptmann strickt und läßt, und wir werden ganz wahr von allen Geschichten, die ich durchhinge!“
„Armès Kind!“ seufzte der Baumeister leise.
„Sie brauchen es nur zu sagen, liebe Eva, so spiele ich Domino oder Schach mit Ihnen,“ beeilte sich die Frau Hauptmann zu versichern.
„Daraus mache ich mir auch nicht viel,“ erwiderte Eva mürbe; „am liebsten stehe ich noch am Fenster und beobachte drüben die Menschen. Sie kümmern sich gar nicht um mich oder um andere Leute, die Vorhänge bleiben immer offen. Es sind so viele Kinder da, kleine und große, und die Mutter ist mitten unter ihnen. Die Kleinen hat sie auf dem Schoß und küßt sie oder spielt mit ihnen, den andern hilft sie bei den Schularbeiten; ich kann ganz deutlich sehen, wie sie die Mutter fragen, wie sich diese dann über den Tisch beugt, an dem sie bei ihren Büchern sitzen; dann macht sie den kleinsten Knaben das zerbrochene Spielzeug zurecht, oder sie nimmt ihrem Töchterchen die Puppe ab, um etwas daran zu ordnen; wenn dann der Vater eintritt, dann geht erst die Freude los! Sie stürmen ihm alle entgegen; es ist kaum möglich, sich in dem Gebränge zurechtzufinden.“
Eva erzählte so lebhaft, daß sich ihre bleichen Wangen mit leiser Röte färbten; der Vater hörte ihr aufmerksam zu, wobei sein Auge mit traurigem Ausdruck auf ihr ruhte.
„Das sind glückliche Menschen!“ sagte er jetzt mit einem Seufzer.
„Ich möchte zu ihnen gehören!“ fuhr Eva fort; doch da fiel ihr der unerfüllt gebliebene Wunsch wieder ein, stürz sich darauf zurück. „Die brauchen auch keine andere Unterhaltung, ich aber bin so einsam; laß mich doch ins Theater, Papa.“