stieß sie einen Jubelruf aus, und nun bedurfte es keiner Vorbereitung mehr. „Papa ist hier, wo ist er?! Papa, lieber Papa!“ rief und fauchte sie. Dann aber wurde sie still, denn zwei starke Arme umschlossen sie. Eva ruhte an einem Herzen, das nicht minder festhielt als ihr eignes. Als sie endlich die Freudentränen aus ihren Augen wischte und nun wieder sehen konnte, baute sie sich in das geliebte, teure Antlitz des Vaters, das sich mit innigster Zärtlichkeit über sie neigte.
„Eva, mein liebes, liebes Kind! Bist du es denn wirklich? Wie groß und stattlich bist du geworden! Und wie wohl siehst du aus!“ sagte der Baumeister, immer wieder sein Kind betrachtend.
„Mein lieber, einziger Papa!“ flüsterte Eva, sich an ihn schmiegender. „Ach, ich bin ja zu glücklich. Nun bleiben wir immer zusammen!“
„Na, einen Kuss könntest du wohl auch noch übrig haben,“ meinte sich nun auch Heinz mit merkwürdig verschlechterter Stimme ein, „ich habe doch auch Pflegevater gar nicht schlecht gemacht, und jetzt siehst du mich gar nicht mehr an.
„Du hast doch drei Küsse,“ sagte Eva lachend; „abgelegt bist du durchaus nicht, du bleibtst stets mein bester Bruder!“
„Die Auszeichnung ist nicht groß, du hast sogar einen einzigen Haar,“ mußte sich Heinz nicht überwältigt; dann wandte er sich zum Vater: „Nun, haben wir unsere Sache nicht gut gemacht? Sie steht ordentlich wie ein weiblicher Mensch aus und nicht mehr wie ein verhungertes Küken. Wenn Eva nicht meine Schwester und ich so ungeheuer bescheießen wäre, so würde ich sagen, daß sie ein ganz hübsches Mädchen ist. Die Krallen haben wir ihr auch beissnitten, und einen schönen Kalbsbraten haben wir gleichfalls beigebracht!“
„Du preist mich ja an, als ob du mich verkaufen wolltest,“ schnaufte Eva, die sich an den Arm des Vaters gebärdet hatte.
„Ich würde dich doch nicht los werden,“ erwiderte der ungallante Bruder; „aber ich will wenigstens zeigen, daß deine Lehrjahre nicht verloren waren.“