„Ich weiß es nicht und kann und darf’s auch nicht sagen,” beteuerte Karoline. „Gehen Sie hinein, Fräulein Echen, und legen Sie sich hin und denken Sie an recht was Gutes, wir sind alle sterblich und schaben kann’s niemand, wenn er sich in jungen Jahren aus den Tod vorbereitet. Rein, Sie müssen nicht glauben, daß ich damit etwas meine, und an das Aufsen denke ich gar nicht, es fiel mir nur so ein; ich bin eine alte Person, warum soll ich Ihnen da nicht guten Rat geben? Ist Ihnen auch ganz wohl? Ihr Herzchen klopfst und Sie sehen ganz bläss aus! Ihre Stirn ist ganz mit kalten Schweizz bedeckt. Legen Sie sich nieder und wenn Sie merken, daß Ihnen schlecht wird, holen wir den Doktor und schicken nach Ihren Papa; auch muß der junge Herr ja glücklicherweise gleich heimkommen.“
„Du tuft, als müßte mir ein Unglück zustoßen, oder als müßte ich krank werden,” sagte Eva mit erzwungenem Lächeln. „Ich bin ja gesund und frisch wie nur möglich.”
„Das freut mich, freut mich von Herzen,” ver sicherte Karoline mit dem trübseligsten Gesicht von der Welt. „Aber mancher ist vergnügt ausgestanden, und abends war es aus mit ihm. Heute rot, morgen tot, daran sollte man sich erinnern, und noch dazu, wenn solche Zeichen und Wunder geschehen. Wer weiß, wie nahe wir mein Ende, bete ich alle Tage, und Sie sollten es auch tun, Fräulein Echen. Wahrrhaftig, Sie sehen schon ganz vergangen aus! Kommen Sie, ich führe Sie hinein, und Sie legen sich hin, und dann wollen wir das Kommende in Gottes Namen abwarten.”
Karoline schlang den Arm um Eva und brachte diese halb führend, halb tragend ins Zimmer. Die Frau Hauptmann sprang begeister aus, als sie die Blässe und den matten Gang des an allen Gliedern bebenden jungen Mädchen sah. Eva versicherte zwar, daß ihr nichts schele, doch widerprach dem der Augenschein; sie ließ sich auf das Sofa betten, und während die Dame mit Kölnischem Wasser und Brausepulver ihr zu Hilfe kam, stand Karoline am Kopfende des Lagers und rang, von der Ruhenden ungenken, die Hände, schüttelte den Kopf und