Full text: Evas Lehrjahre

Sie erhob sich und Sanna mußte lächelnd ihren Eiser dämpfen, denn für heute war es schon zu spät für den Antritt der Lernezeit; Sanna schlüpfte einen gemeinsamen Spaziergang vor, worauf Eva gern einging. Sanna ordnete ihr das Haar, ließ sie ihre verweinten Augen mit Wasser kühl er und führte sie hinaus, wo sich die jungen Mädchen bald um sie scharten. Alle freuten sich auf eine Wanderung in den Wald, und der Vor- schlag der Frau Oberförster, auf den Katenstein zu gehen, von wo man den Sonnenuntergang so schön genießen konnte, fand ungeteilten Beifall. Nun galt’s aber schnell sein, denn Frau Sonne ließ nicht mit sich reden und ging rechtzeitig zur Ruhe, auch gab es noch Körbe mit allerlei Mundvorräten zu packen, denn das Abendbrot sollte dort eingenommen werden, und Tücher und warme Hüllen durften nicht vergessen werden zum Schutz gegen die Kühlere des Abends. Wie flohen die flinken Mädchenfüße durch das Haus! Wie schnell und fest packte Lottie die Körbe! Eva sah staunend zu, was alles hiniefand, da konnte ja nach ihrer Schätzungen eine Familie eine Woche lang davon leben, und doch versicherte man ihr aus vollster Überzeugung, auf dem Rückweg würde es außer leeren Flaschen und Töpfen nichts leicht gegen geben. Hector stand selbstbewußt in der Tür, er gehörte viel zu sehr zur Familie, um nicht sicher zu sein, daß er mitgenommen werde; aber die beiden Töpfe waren in dreifachster Aufregung, für sie stand die Sache schlecht, und sie hatten es Eva’s Bitte zu danken, der die drolligen Gesellen gesagt, daß sie mitdurften. Peter, der Kater, der seinen glänzenden schwarzen Pelz schnurrend an Olga Kleide rieb, hagelte solche Wünsche nicht, sondern war ganz zu- tiefen mit der Käseküche, die ihm zur Entschädigung doppelt reichlich gesüßt wurde. „Wenn er nur meinem Coco nichts tut,” sagte Eva, ihn misstrauisch betrachtend. Die ganze Mädchenfuch verbrühte sich für Peters Tugend, die durch eine vorzügliche Erziehung befestigt ist. „Der Herr Oberförster duldet sonst keine Katzen”, berichtete