Full text: Evas Lehrjahre

ihren Verkehrtheiten zurückzubringen. Lassen Sie uns die Geduld nicht verlieren.“ Gegen Abend fuhr der Obersförster nach einer entlegenen Schönung, wo es den Bestand der jungen Tannen zu besichtigen gab. Er forderte seine Tochter zur Begleitung auf und lud auch Eva ein. Sie kamen an vielen großen, von Wald eingefassten Wiesen vorbei, auf die das Wild nach Sonnenuntergang auszutreten pflegte, und da sie Glück hatten und mehrere starke Rudel Rotwild zu sehen bekamen, so bildete diese Fahrt einen sehr angenehmen Abschluß für den Tag; Eva fand sie so hübsch, daß sie darüber die weniger angenehmen Eindrücke vergaß und sich ganz zufrieden zur Ruhe legte. Sie war müde und schlief bald ein, so daß sie nicht einmal Zeit zum Fürchten hatte; der Brief, der am nächsten Tage an den Vater abging, lautete im ganzen so vergnügt, daß der Baumeister hocherfreut war und mit beruhigtem Herzen seine Reise antrat. Sechstes Kapitel. Die unbezähmte Widerspenstige. Die gute Stimmung, welche zuerst die Überhand bei Eva hatte, hielt nun allerdings nicht vor; wie ihre eigene Liebenswürdigkeit schwand und sich die Stacheln und Dornen ihres Wesens mehr zeigten, so verloren auch die anderen jungen Mädchen allmählich die Geduld mit ihr, und mit Ausnahme des guten Lieschen und der stets vergnügten Kätte stand sie mit den andern bald auf dem Kriegsschuß. Mademoiselle war durch Eva’s Schuld öfter denn je dans tous les états, und die Frau Obersförster hatte schon einige Male das Gewitter ihres Jorns über Eva ergeben lassen, ohne dadurch etwas auszurichten; denn diese war dadurch nur desto eigenfinniger und trostiger geworden, und wenn Sanna nicht in ihrer sanften und doch so festen Art Eva...