vergebens Marie zu beruhigen; sie ließ sich aber nicht zurückhalten, sondern eilte ins Haus, um einige heimische Tränen zu vergießen; Jakob benützte ihre Entfernung sogleich, um schmunzelnd einen Brief hervorzubehlen, auf dem mit großen herben Zügen: „Zu eigenen Händen“ stand und der an Fräulein Sanna gerichtet war.
„Aus Nordhausen,“ erklärte er, auf den Postempel deutend, „und wenn der Brief nicht alle Träuer in Freude verwandelt, so will ich Hans heissen. Da ist auch eine Kiste für Fräulein Eva Dietlein; soll ich sie gleich auf ihr Zimmer tragen, sie ist gewaltig schwer, beinahe 14 Psund. Die kriegt’ was Ehrliches geschiert.“
Er ging mit der Kiste davon, ohne eine weitere Erlaubnis abzuwarten, denn das gute Trinkgeld, mit dem ihn Eva zu belohnen pflegte, war ihm sehr willkommen. Käthe blieb zurück, geteilt zwischen der Betroffenheit, den Inhalt des Schreibens, das Fräulein Sanna jetzt erbrochen hatte, kennen zu lernen und dem Verlangen, bei Öffnung der Kiste gegenwärtig zu sein.
„Nun?“ fragte sie gespannt, als das Fräulein fertig war und den Brief in seinen Umhüll mit zurückgesob.
„Nun?“ fragte diese zurück und schwieg dann wieder. Käthe hing sich ans Sanna’s Arme. „Lieber Fräulein,“ bat sie, „ich möchte gar zu gern wissen, was in dem Briefe steht. Was Schlusses ist es nicht, das sehe ich an Ihrem Gesicht, und etwas Gutes kann man nicht frühe genug erfahren.“
„Und seine Neugier kann man nicht frühe genug beherrsch’ lernen,“ sagte Fräulein Sanna lächelnd, „Die ist sie schon gewaltig über den Kopf gewachsen.“
„Gewiß nicht, verfemten Sie mich doch nicht so, liebe, bestes, einziges Fräulein Sanna, es ist ja die reinste Menschenliebe, die mich bewegt,“ schmeichelte Käthe. „Der Brief hat gewiß Bezug auf den Geburtstag; ach, lassen Sie’s mich doch wissen.“
Aber alles Bitten und Betteln half nicht; Fräulein Sanna schüttelte die kleine, anhängliche Person lachend ab und ging ins Haus; Käthe trottelte sich enttäuscht von dannen und klopfte an