Full text: Evas Lehrjahre

sich an dem Inhalt derseben zu erfreuen. Obenauf lagen mehrere Paar hübsche Stiefelschen, die dem Verwand für die Senbung hervor- geben mussten; aber die wurden achtlos beiseite geworfen, besser ergwing es auch nicht dem Briebe der Frau Hauptmann. Eva war dieser ewigen Liebesbeteuerungen und der Klagen, warum sie nicht zusammenbleiben konnten, längst überdrüssig. Um so mehr gessieht ihr die zierlichen Tüten und Kästchen, die mit den aus- erlessten Süßigkeiten gefüllt waren, eins sah immer verlockender als das andere; da waren die schönsten überzuckerten Früchte, die feinsten Schokoladensachen, das beste Marzipan, alles, was sie gerne aß, sogar die Sahmentörtchen fehlten nicht; die ihrer besondere Liebaherei bildeten. Aber das hätte die Frau Hauptmann, die sonst alles so gut ausge sucht hatte, doch nicht recht überlegt; die Törtchen waren sehr vergänglich, und die Reise war ihnen nicht gut bekommen. Eva löste, einen Stich hatten sie unzweifelhaft, die Sahne hatte etwas schwach Säuerliches, was jedoch ihrem Wohlgemach keinen Abbruch tat. Man mußte sie nur schnell verzehren, damit die armen Dinger nicht ihre Bestimmung ver- sehitten. Eva machte sich rüstring ans Werk, daß erste und zweite schmeckte vorzüglich, das dritte etwas weniger, und beim vierten mußte sie sich eigentlich quälen. Zwei waren noch übrig; morgen würden sie oerdorben sein, und diese Erwägung stachelte ihre er- lahmenden Kräfte aufs neue an. Aber alles hat seine Grenzen; sie konnte wirklich nicht mehr, mochte auch das Schicksal des leisten Törchens sein wie es wolle; Eva war sogar etwas unbe- häglich zumute. Nun mußte sie noch die übrigen Sachen pro- probieren, eins nach dem andern, doch ohne rechten Genüß; schade, ß das man nicht kann, wie man möchte! Unten in der Nische lagen Bücher, genau wie sie sich besten- hatte, etwas grausig und recht spannend. Jetzt konnte sie nur die Tite lesen; Das Geheimsio des Grafenlofes; der Vampyr, das Gespenst im roten Turm, eins lautete immer furchterlicher als das andere; Eva konnte kaum die Zeit erwarten, bis sie sich dahinein vertiegen würde. Jegt kamen einige Schritte die Treppe heraus; schnell warf