Volltext: Evas Lehrjahre

mögen vor Verdruss und Betrübnis. Doch da öffnete sich die Stübestor und Frauenlein Sanna trat ein. Sie erkannte sich freundlich, warum Eva nicht auch unten sei und hörte geduldig deren mißmutige Klagen an. „Du siehst schlecht aus, meine arme Eva,” sagte sie teilnehmend; „aber glaube mir, in der dumpfen Stube und im einsamen Hinten wird dir nicht besser. Berufe es unter heitern Menschen und mit fleißiger Arbeit, dadurch werden die Grillen verschweigen.“ Eva wollte schnellen und sich darauf berufen, daß es sich nicht um Einbildung, sondern um wirklich Krankheit bei ihr handle; aber Sanna legte ihren Arm um sie, zog sie mit sanfter Gewalt mit sich und führte sie unter freundlichem Zuinden hinab; bald saß Eva im Kreise der anderen und nahm an der Arbeit teil. Es war wirklich ganz hübsch, und sie vergaß für einige Zeit Verdruß und Mißmut, bis sich Namena erleichterung in ihrem Innen immer mehr steigerte. Die Frau Obersförster und Frauenlein Sanna waren sehr teilnehmend, beiden entging es nicht, daß es sich hier um ein wirklich Übelbeinfiind handelte; aber Eva wies alle Fragen nitricht zurück und erklärte nur, der bloße Gedanke an das Abendbrot sei ihr verhälst, sie wolle sich niederlegen und zu schlafen sehen. Sanna sah noch einige Male nach Eva, als diese zu Bette war; Eva bat, das Licht brennen zu lassen, denn sie wolle allein sein. Ihr war jämmerlich zumute; die quälende Übelkeit und das Härmen und Packen in ihren Kopf waren saft unerträglich; dabei tauchte sie in anstrengter Aufmerksamkeit auf jeden Ton im Hause, und doch berührte das geringste Geräusch ihre gemarternten Nerven auf dieses unangenehmste. Drüben, auf der anderen Seite des Hauses, gingen jetzt die jungen Mädchen zu Bett; wie vergnügt waren die, und was hatten sie sich wieder alles zuzustellen! Dann wurde es still; aber nochmals öffnete sich die Tür zu die Männer Zimmer, leise Tritte huchten hinaus, es raschelte und nun erhielt wahrsichtiges Klopfen. Die Mädchen befestigten wohl ein Blumenwindes über der Tür, durch die morgen früh Halden, Eva Lehrjahre.