Full text: Evas Lehrjahre

„Ich mag noch nicht aussteigen,“ sagte Eva trozig, denn sie fand, daß die Frau Obersförster ihr nicht genug Teilnahme bezeige, „zu Hause habe ich immer im Bette geströhsstückt, wenn ich nicht wohl war.“ „Papperlapapp!“ rief die Hausfrau ärgerlich aus. „Kramp bist du nicht, und wer nicht an den Frühstückstisch kommen kann, der hat keinen Hunger und braucht also nichts. Nun aber stink, du kennst jetzt meine Ansicht." Damit war sie schon wieder hinaus und ließ Eva in großer Entrüstung zurück. Sie so zu behandeln, ohne alle Zartheit und Schönheit! Es war empörrend. Nein, sie wollte sich das nicht gefallen lassen, das Frühstück sollte sie gewiß nicht hinunterziehen, und noch dazu dieser gewürzte Kaffee, ein schauberhaftes Getränk. Auzuhungen war sie nicht, dazu war sie zu gut mit Boränden verlehen, und so focht sie aus dem Bett, um sich aus ihrem Zimmer ihre Näscherien zu holen. Sie konnte aber nicht widerstehen, einen verstoßenen Blick aus dem Fenster zu tun, richtig, da saßen sie alle wieder unter der Linde, unten am Tisch, der zum zweiten Frühstück gedeckt war. Welcher Jubel und welche Freude herrschte dort! Die tiefe Bästimmie, die sich so oft vernehmen ließ, und der dann meist das helle Lachen der ganz Lobelrunde folgte, war Eva unbekannt, sie mußte dem großen Herrn mit den feinselten Brillengläsern zugehören, der zwischen dem Hausherrn und Marie saß und an den sich diese so vertraulich anlehnte. Das war gewiß Maries Vater! Nun fiel Eva der Geburtstag ein und ihre Unachtsamkeit, und das machte sie nicht williger, sich unter den großen Kreis zuzumachen. Sie wandte sich verdrießlich ab, traf ihre Wahl unter den Süsungen und kehrte damit in das Bett zurück, um die Näscherien in aller Begierlichkeit zu genießen. Aber sie wollten ihr durchaus nicht schmecken, und obwohl sie alle Arten durchprobierte, stand doch keine ihren Beifall. War sie zu frisch, oder waren die Sachen nicht so gut wie sonst? Es blieb keine Zeit zum weiteren Nachdenken, denn draußen näherten sich ungestüme Schritte; schnell brachte Eva ihre Schätze