"Ich habe gar kein Berlangen danach," sagte Eva, die durch die spöttische Nachsicht, mit der sie der Doktor behandelte, mehr und mehr gereizt wurde.
"Aber Eva, wie benimmst du dich!" schalt die Frau Oberförster, die kaum noch an sich halten konnte.
"Lassen Sie nur sein, meine verehrte Freundin," beruhigte sie Doktor Müller, "man kann ja Löwen und Tiger zähmen, da wird man doch auch die Ungnade des kleinen Fräuleins überwinden können. Also wo fehlt es? Was hat man zu klagen?"
"Es fehlt mir nichts, und zu klagen habe ich nur über unwillkommene Störung," erwiderte Eva, die sich immer mehr in Trotz und Widerrufswürdigkeit einspannte, und ordentlich ein Vergehen daran fand, die Frau Oberförster tüchtig zu ärgern, denn bei dem Doktor schien ihr dies durchaus nicht zu gefallen. Er legte beschwichtigt die Hand auf den Arm der Dame und lächelte Eva so freundlich an, als habe sie ihm etwas besonders Angeslegtes gesagt.
"Soll es recht," sagte er in ermunterndem Ton, "machen Sie keine Nörderrabge aus Ihrem kleinen Herzen, und nun geben Sie mir Ihr niedliches Hänsechen, damit ich Ihren Pulswellen fühlen kann. Die Blicke glänzen, die Wangen sind gerötet, aber die dunklen Ränder um die Augen gefallen mir nicht, und die gelbliche Masse des übrigen Gesichts ruht augenscheinlich von der Sache her. Also kein Appetit und schlechter Schlaf, wie die Frau Oberförster sagt? Sie wollen mir nichts verraten? AUCH gut. Ein tüchtiger Doktor ließ seinen Patienten ihre Beschwerden vom Gesicht ab. Unheilbar sind Sie nicht, aber wir müssen die Kur beginnen. Dass Sie verstimmert sind, kann ich ja selbst bezeugen, dagegen ist Beschäftigung das beste Mittel."
"Was es hier zu tun gibt, langweilt mich und greift mich an," sagte Eva.
"So? und das Essen schmeckt Ihnen auch nicht?" fragte der Doktor ruhig.
"Nein, ich bin nie hungrig, mir ist alles zuwider," fing Eva nun doch zu klagen an, "ich glaube, ich habe Heimweh."